Test & Technik

Im Test: 10 Touren-Rucksäcke

Hucke Pack: Prüfstand Rucksäcke

Er begleitet uns durch dick und dünn: der Tourenrucksack. Was müssen aktuelle Modelle können, was zeichnet sie aus? Wir haben zehn Lastenträger um die 20 Liter Volumen getestet.

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen! Doch zuvor steht immer ein wichtiger Punkt an: packen. Und da wir Mountainbiker keinen Gepäckträger am Bike haben, muss alles im Rucksack Platz finden. Damit ihr einen Überblick über die aktuellen Modelle bekommt, haben wir die zehn interessantesten von Camelbak, Cube, Deuter, Evoc, Ergon, Ortlieb, Osprey, Scott, Thule und Vaude zum Test geladen.


Ordnung ist das halbe Leben!

Damit alle wichtigen Utensilien der täglichen Tour im Rucksack Platz finden, haben wir vor dem Test eine kleine Packliste erstellt, um herauszufinden, was alles mit muss. Jeder Rucksack wurde für unseren Testride mit folgenden Produkten bestückt: komplette Tourenwerkstatt, Bekleidung mit Ersatztrikot und Regenjacke, Verpflegung, Trinkblase mit drei Liter Inhalt, Erste-Hilfe-Set, Smartphone, Geldbeutel und Schlüsselbund.

Beim Packschema sollten für eine gute Gewichtsverteilung sowie die leichte Erreichbarkeit wichtiger Gegenstände folgende Regeln beachtet werden: Schwere und wenig benötigte Produkte im Rückenbereich sowie dem Rucksackboden lagern. Leichte und häufig benötigte Gegenstände nach oben oder vorne packen.


Tourenwerkstatt, Regenjacke, Verpflegung, Trinkblase, Erste-Hilfe-Set, Smartphone, Schlüsselbund und Geldbeutel wollen gut verstaut sein auf Tour.


Detailverliebt?

Wir Deutschen gelten als technikverliebt. Deshalb lieben wir schöne Detaillösungen. Bei den Rucksäcken sind das vor allem durchdachte Helm- und Protektorenhalter, ein gefleectes Brillenfach (Camelbak, Cube, Evoc), eine Notfallpfeife, ein Brillenhalter sowie eine Erste-Hilfe-Anleitung samt Notrufnummern. Besonders praktisch ist eine Regenhülle, die bis auf Scott und Ortlieb alle Hersteller besitzen. Ortlieb nimmt hier aber eine Sonderstellung ein, weil der ganze Rucksack komplett wasserdicht gefertigt ist. Und auch ein stabiler Rucksackboden ist uns wichtig – sehr schön gelöst etwa bei Ergon, Evoc, Ortlieb und Osprey.

Damit das Rucksackvolumen auch richtig genutzt werden kann, bieten diverse Fächer und Taschen Platz für Trinkblase, Werkzeug, Pumpe, Schlauch, Kleinteile, Riegel und andere Utensilien. Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass die Fächer auch durchdacht ausfallen und leicht zugänglich sind. Wenn alles sauber verstaut werden kann, rutscht auch in ruppigem Geläuf nichts. Hier sind Kompressionsriemen äußerst praktisch (Camelbak, Evoc und Vaude). Auch die schnell zugänglichen Werkzeugfächer bei Evoc und Scott gefallen. Praktisch sind auch Stautaschen auf den Hüftflossen oder die Brusttasche am Osprey. Eine gute Lösung ist helles Innenmaterial, bei dem man den Rucksackinhalt schneller erkennt.

Beim Gewicht ist weniger mehr, solange Leichtbau nicht die Haltbarkeit beeinträchtigt. Spitzenreiter sind Osprey und Scott, die sich auch in der Praxis spürbar leichter tragen lassen. Bezüglich der Verarbeitung spielen die Wahl der Materialien, das Nahtbild, verstärkte Nähte sowie Details bei den Reißverschlüssen (Abdeckleisten, Zippergaragen, griffige Zipper) eine wichtige Rolle. Im Punkt Robustheit geht die Krone klar an Ortlieb, kein anderer Rucksack wirkt so grundsolide.


Tragekomfort als höchstes Gut

Damit der Rucksack auf Tour nicht zur Tortur wird, wandert der Blick beim Tragekomfort auf Ergonomie, Belüftung, Gewichtsverteilung und -übertragung sowie die Anpassung an den Träger. Als einziger Hersteller wählt Ergon eine deutlich spürbare Längenverstellung. So lässt sich der Rucksack auch kurzen und sehr langen Rücken perfekt anpassen. Breite und stabile Hüftgurte, vor allem bei Thule, Vaude und Cube, übertragen die Last perfekt aufs Becken. Schulterspanngurte (Vaude, Osprey und Thule) sorgen für eine besonders gute Anpassbarkeit sowie Flexibilität auf Tour.


Wertungslauf

Der Tragekomfort ist für uns das wichtigste Argument und geht mit 45 Prozent in die Wertung ein. Die Aufteilung des Rucksacks mit all seinen Fächern heimst 30 Prozent ein. Dem Gewicht stehen 15 sowie der Verarbeitung die restlichen 10 Prozent zu.


Fazit:

Am Ende liegen sechs Rucksäcke extrem nah beieinander, drei folgen mit kleinem Abstand. Einzig Ortlieb fällt beim reinen MTB-Einsatz ab, ist aber als Allroundrucksack im Alltag wiederum sehr praktisch und ultrarobust. Am Ende verdient sich der sehr durchdachte Vaude den Tourentipp. Den Preis-Leistungstipp verbucht Deuter für sich. Testsieger wird Camelbak mit einer fast perfekten Vorstellung.

Die Rucksäcke im Test

Camelbak H.A.W.G. NV

Der bewährte H.A.W.G. bietet Technologie satt. Dabei hebt sich vor allem der Magnethalter für den Trinkschlauch sowie die Rückenpartie durch luftiges Design und viel Bewegungsfreiheit von der Konkurrenz ab. Die zahlreichen, sinnvoll angebrachten Taschen wie auch die tolle Verarbeitung und das geringe Gewicht überzeugen. Der Preis relativiert sich durch die inkludierte Trinkblase. Am Ende hauchdünner Testsieg für Camelbak!


Cube Backpack AMS 16+2

Optisch besticht der AMS durch sein zweifarbiges Design. Bei der Ausstattung zeigt sich das Hauptfach spartanisch, ist aber erweiterbar. Zahlreiche aufgesetzte und praktische Staufächer machen das wieder wett. Die Lastübertragung der großen Hüftflossen und breiten Schulterträgern ist erstklassig. Bei Ergonomie, Sitz und Belüftung reiht er sich im Mittelfeld ein. Der AMS-Rucksack zeigt, dass Cube auch gutes Zubehör anbietet.

 

Deuter Bike One 20

Mit dem Bike One bietet Rucksackpionier Deuter einen echten Klassiker. Das geringe Gewicht und die Top-Verarbeitung überzeugen. Auch bei Ergonomie, Sitz, Lastübertragung sowie Belüftung macht ihm keiner was vor. Was allerdings fehlt, ist ein praktisch organisiertes Staufach à la Evoc oder Vaude für Werkzeug. Für alle, die einen in Tragekomfort, Verarbeitung perfekten sowie in Preis unschlagbaren Rucksack suchen – hier ist er!

 

Evoc Stage 18l

Die quadratische Optik – typisch Evoc – ermöglicht eine effektive Nutzung des Stauraums. Herausragend sind der schnelle Zugriff aufs Kleinteilefach und die Notfallinformationen. Das Rückensystem ist nun deutlich luftiger und vorne mit dabei. Auch der flexible Hüftgurt überzeugt in der Praxis. Leichte Abzüge gibt’s für das hohe Gewicht sowie den hohen Preis. Fazit: Ein exzellenter und durchdachter Rucksack, der sein Geld wert ist.

 

Ergon BX3

Im Test ist der BX3 der einzige Rucksack mit verstellbarem Rücken: So sitzt er bei kleinen wie großen Personen perfekt. Ergonomie, Lastübertragung und Belüftung: bestens! Zahlreiche Fächer bieten viel Stauraum. Leichte Abzüge gibt es für das höhere Gewicht und die teils fummelige Erreichbarkeit des Werkzeugfachs. Alles in allem: stabiler Tourenrucksack mit herausragender Rückenverstellung für Tourenfahrer.
 

Ortlieb Packman Pro2

Als einziger Rucksack im Test ist der Packman Pro2 vollständig wasserdicht. Bei der Ausstattung gibt er sich spartanisch. Haupt-, Wertsachen-, Trinkblasen- und aufgesetztes Werkzeugfach – mehr nicht. Das helle Material macht die Suche im Inneren aber einfach. Das Tragesystem und die Belüftung sind gut, die Ergonomie und der Sitz könnten aber besser ausfallen. Für alle, die einen extrem robusten, spartanischen Rucksack suchen.
 

Osprey Escapist 18

Osprey gilt vielen als Geheimtipp. Detailverliebt und gut verarbeitet bietet der Escapist praktisch angebrachte Taschen für allerlei Zubehör. Die Zipper lassen sich super bedienen, der Helmhalter ist effektiv. Bei Ergonomie und Sitz gehört er zu den Besten. Lastübertragung und Belüftung sind gut. Wer einen leichten, toll ausgestatteten und genial verarbeiteten Rucksack für nicht allzu viel Gepäck sucht, wird hier fündig.
 

Scott TrailRocket FR 18

Der Scott gefällt mit hellem Innenmaterial und gut erreichbaren Taschen – für Werkzeug sogar mit Schnellverschluss. Perfekt: die Notfallinformationen. Das Tragesystem bietet besten Sitz und Ergonomie. Die Lastübertragung ist für das Leichtgewicht überraschend gut. Abzüge gibt es für den etwas schwitzigen Rücken sowie den fehlenden Regenschutz. Wer den Preis nicht scheut, bekommt hier ein durchdachtes Leichtgewicht.
 

Thule Capstone

Eigentlich entspringt der Capstone dem Hiking-Segment. Daher verwundert die stabile und ergonomisch perfekte Auslegung von Schulter- und Hüftgurten nicht. Das Rückennetz lässt Luft super zirkulieren, fühlt sich aber etwas wärmer an. Die Ausstattung ist eher spartanisch – hier fehlen radspezifische Taschen. Verarbeitung und Material: perfekt. Wer einen Mul-
tifunktionsrucksack ohne viel Schnickschnack sucht: Hier ist er.

 

Vaude Moab 20

Der Moab ist der schwerste Rucksack. Das Gewicht wird ins Tragesystem und die Ausstattung gesteckt. Viele klug angebrachte Taschen nehmen Kleinigkeiten perfekt auf. Super: das tief angebrachte Werkzeugfach. Das helle Innenfutter ist praktisch. Beim Tragekomfort und der Lastübertragung gehört er klar zu den Besten – auch mit vollem Gepäck. Wer über das
Gewicht hinwegsieht, bekommt hier unseren klaren Tourentipp!

 

So Sitzt der Rucksack richtig

1: Als erstes alle Riemen komplett lockern. Nach dem Aufsetzen des Rucksacks die Hüftflossen auf dem Hüftkamm platzieren, damit die Hauptlast sauber übertragen werden kann. Den Bauchgurt schließen und Gurte festziehen.

2: Der Ansatz der Schulterriemen sollte auf den Schulterblättern liegen. Anschließend die Schultergurte straffen, so dass der Rucksack sauber auf dem Rücken aufliegt. Der Großteil des Gewichts wird aber weiterhin komplett in den Hüftbereich abgeleitet!

3: Den Brustgurt in der Höhe zwischen Achseln und Brustbein mittig justieren. Klickverschluss schließen. Den Gurt so weit spannen, dass er die Schulterträger gut stabilisiert, ohne die Atmung zu beeinträchtigen. Bei Dehnfalten Gummi mittig spannen.

4: Falls vorhanden, kann über die Schulter-Stabilisationsriemen die Lastübertragung verbessert werden. Bergab oder im Trail straffen. Bergauf können die Riemen für eine bessere Belüftung des Rückens gelockert werden.

Quelle: 

TEXT: SEBASTIAN BÖHM | FOTOS: JÜRGEN AMANN, CHRISTIAN DREWS

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