Reise

Stoneman Miriquidi: Biken im Dunkelwald

Zwischen Sachsen und Tschechien schlängelt sich der Mountainbike Trail Stoneman Miriquidi durchs Erzgebirge. Hier warten 160 Kilometer, neun Berge und 4400 Höhenmeter Mountainbike vom Feinsten.

 

Miriquidi. Der „Dunkelwald“. So nannten die Menschen das Erzgebirge im Mittelalter auf Lateinisch. Gut eine halbe Stunde geht es im Auto von Oberwiesenthal schon durch dichtesten Fichtenwald. Eine Straße, alle paar Kilometer ein Weiler, Bäume. Irgendwo zwischen tschechischer Grenze und unserem Ziel, dem Sportpark Rabenberg. Bis vor 25 Jahren endete für die meisten Einwohner der Deutschen Demokratischen Republik an dieser Grenze mehr als ihr Land. Die Einsamkeit entlang der Grenze hat sich über die Jahre bewahrt. Für Mountainbiker ist diese Gegend ein Eldorado.

SINGLETRAILS ZUM WACHWERDEN
Früher trainierten in dieser Abgeschiedenheit DDR-Kaderathleten. Für Mountainbiker beginnt hinter dem Beachvolleyballfeld das Abenteuer Stoneman Miriquidi. Und das wartet gleich zu Beginn mit einem echten Highlight auf. Denn zum Warmfahren geht es über die wirklich fein hergerichteten Pfade des Trailcenters Rabenberg, Deutschlands erstem Singletrailpark. Hier warten schnelle Anlieger, kleine Sprünge und Wurzelteppiche. Auf dem „Kyrill-Trail“ haben wir zum ersten Mal freie Sicht – hier hat der Orkan 2007 wirklich ganze Arbeit geleistet und den Wald komplett abgeforstet.
Nach ein paar Anliegern und einem ziemlich schnellen Wurzel-Downhill landen wir zwischen Schrebergärten und alten Garagen im Dörfchen Erlabrunn. Vorbei am Krankenhaus, einem ehemaligen sozialistischen Prachtpalast, schlängelt sich ein Forstweg in Richtung Auersberg. Wald, Schotterstraße. Der Anstieg zum Auersberg zieht sich dahin und stellen fest: Mountainbiken ist nicht nur Singletrail-Geballer, sondern auch fernab der echten „Mountains“ ein Naturerlebnis.

RÜBERMACHEN NACH TSCHECHIEN
Von Erlabrunn hoch zum Auersberg sind es effektiv nur 400 Höhenmeter. Dank etlicher Zwischenanstiege fühlt es sich zumindest nach wesentlich mehr an. Und wenn es im Erzgebirge den Gipfeln entgegen geht, endet die Meditation.  Denn dann wird’s meist richtig steil. Der Regen die Tage davor hat aus dem Waldboden eine Schlammpackung gemacht. Jetzt sind wir richtig froh über unsere groben Stollen. Vom Auersberg haben wir einen Ausblick auf die kommenden Anstiege. Als nächstes wartet der gut 1000 Meter hohe Blatenský vrch (Plattenberg) auf tschechischer Seite. Doch vor dem nächsten Anstieg geht’s auf einer breiten Forststraße hinab in Richtung Johanngeorgenstadt. Auf der Suche nach Uran für die sowjetische Atomwaffenproduktion gruben sich hier von 1945 an die Bergleute der SDAG Wismut durch den Untergrund. Dafür wurde in den 1960er Jahren die halbe Altstadt abgerissen. Noch heute sieht man die rötlichen Abraumhalden und die Folgeschäden des Bergbaus rund um den Grenzort. Bevor wir rüber ins tschechische Pot??ky machen, stärken wir uns mit einer kurzen Kaffeepause im „Herrenhaus“ direkt an der Grenze.

Drüben, auf tschechischer Seite, erinnert das Straßenbild allerdings erst einmal an einen riesigen Asia-Markt irgendwo in Fernost. „Alles original und saubillig!“ Die Aussicht auf „originale“ Sonnenbrillen, Alkohol, T-Shirts, Zigaretten und den Kiss-Club, der bereits ab 13 Uhr seine unschlagbaren Angebote offeriert, überlassen wir den Rentner-Horden, die wie wild geworden über die Auslagen herfallen. Mit der Sahnetorte im Magen treten wir hinauf zum Plattenberg, kurz über Asphalt, weiter über Schotter, bis der Forstweg auf einen schmalen Wurzeltrail abbiegt, der an einem Bächlein entlang führt – ein wirklich spaßiger Balanceakt. Auch die letzten Meter Anstieg hinauf zum Plattenberg sind alles andere als platt – vielleicht will Guide Tobias uns Süddeutschen auch einfach beweisen, dass das Erzgebirge mehr als nur eine Hügelkette ist.

Ausgabe 7/8 bikesportLesen Sie die komplette Geschichte in

bikesport Ausgabe Juli/August 2014.

 

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HINTERGRUND Stoneman Miriquidi

Der "Stoneman Miriquidi" geht auf die Idee des Südtiroler Ex-Marathon-Weltmeisters Roland Stauder zurück. Er erfand den "original Stoneman" rund um seinen Heimatort Innichen in den Sextener Dolomiten. Die Idee des Stoneman ist, sich in engem Kontakt mit der Natur auf Mountainbiketour zu begeben. Da Rolands Meinung nach "neuartige Erfindungen" wie GPS nur von diesem unverfälschten Naturerleben ablenken, markierte er seine Tour mit Steinmännern, statt GPS-Daten zu veröffentlichen.

Der Stoneman fand innerhalb weniger Jahre sehr viele Freunde und Wiederholer. Neben der atemberaubenden Natur der Dolomiten fand wohl vor allem auch die Philosophie des Stoneman großen Anklang. Im Jahr 2014 wurde diese Philosophie nun ins Erzgebirge übertragen - der "Stoneman Miriquidi" steht seit diesem Frühjahr der Mountainbike-Öffentlichkeit zur Wiederholung offen.

WEITERFÜHRENDE LINKS

www.stoneman-miriquidi.com

www.trailcenter-rabenberg.de

Zum Original Stoneman:

www.stoneman.it

zur Tourenbeschreibung des original Stoneman mit GPS-Daten