Reise

Balkan-Groove: Was Biker über Bulgarien wissen sollten

Krim-Sekt, Kloster, Karpaten, Korruptionirgendwie ist Bulgarien wie das Land hinter den sieben Bergen: ein Buch mit sieben Siegeln, einigen Vorurteilen und noch mehr kuriosen Halbwahrheiten.

So beheimatet das Land übrigens weder die Krim-Halbinsel (autonome Republik innerhalb der Ukraine) noch die Karpaten (die fangen in Polen an und hören im Nachbarland Serbien auf). Kloster gibt es jedoch einige, sogar eines, das von der Unesco zum Welterbe gekürt wurde: das Kloster Rila im gleichnamigen Gebirgszug. Ein wahres Mountainbike-Eldorado, doch dazu später mehr.

Auch mit der Korruption nimmt man es im Land am Schwarzen Meer nicht so genau: Seit sich der Eiserne Vorhang lüftete und Bulgarien 2007 EU-Vollmitglied wurde, explodierte die Bestechlichkeit, sodass Brüssel
2008 sogar die Fördergelder einfror. Bike-Urlaub in Bulgarien? Aber sicher doch! Bulgarien hat eindeutig bestechende Pluspunkte.

Wildes Bergland
Bulgariens Hauptstadt Sofia liegt nur 1200 Kilometer von München entfernt, mit dem Flieger ist man in zwei bis zweieinhalb Stunden dort. 7,8 Millionen Menschen teilen sich 111.000 Quadratkilometer. Der höchste Gipfel des Landes – und da kommen wir zum ersten großen Pluspunktliegt auf 2925 Meter über dem Meer. Und der Musala ist mitnichten der einzige Berg auf bulgarischer Flur, vielmehr ist Bulgarien ein Land der Berge: Neben dem Rilagebirge gibt es das Pila- und das Vitosagebirge sowie die Rodopen.

Zudem zieht sich das Balkangebirge (bulgarisch: Stara planina) einmal mitten durchs Land. Dazu ein paar kleinere wie das Strandza-Gebirge, der Thrakische Block, das Hügelland der Donau, die sich 520 Kilometer lang durch Bulgarien schlängelt, bis sie im Osten ins Schwarze Meer fließt. Berge satt also. Und in die Berge und raus in die Natur sollte man als Tourist auch unbedingt, denn die Betonbunker an der Schwarzmeer-Küste haben ein wenig zu viel Ost-Charme für freiheitsliebende Zweiradfans.

Freiheit für Biker
Mountainbiken ist in Bulgarien noch mehr oder weniger ungezügelt möglich, in den Bergen gibt es praktisch keine Verbote für bestimmte Wege. Einfach drauflos radeln ist allerdings nur denjenigen zu empfehlen, die entweder Bulgarisch oder zumindest aber Russisch sprechen. Zweite wichtige Voraussetzung ist ein extrem guter Orientierungssinn. Die Jungs von Bike Area, die die bulgarische Natur für Biker erschließen, schildern zwar vermehrt neue Wege aus, doch noch ist es eher abenteuerlich, sich ohne Guide in die ursprünglichen Gebirgsregionen zu wagen.

Englisch spricht man etwa bei „Cycling Bulgaria“ (www.cycling.bg), und eine Woche geführter Bike-Urlaub inklusive Unterkunft, Halbpension und Leih-Hardtail ist mit rund 550 Euro wirklich ein Schnäppchen. Die Flüge nach Sofia kosten zwischen 150 und 400 Euro.

Downhill in Hauptstadtnähe
Neben der Tour of Bulgaria, einem Straßenrennen das schon seit 1924 veranstaltet wird, gibt es auch das International Dirt Open im Shambala Bike Park in Sopot am Fuße der Stara Planina. Die Strecken des seit 2005 existierenden Parks wurden von der russischen Legende Travin Grigory gebaut. Nur 72 Kilometer von der Hauptstadt Sofia entfernt haben Trailbauer unterhalb des Musala den Borovets Bike Park in den Wald gezimmert. Strecken aller Schwierigkeitsgrade starten am Sitnyakovo  auf knapp 1800 Metern. Mehr als 1000 Höhenmeter Abfahrt bietet der Run von der Gondelstation Yastrebets hinunter in den Ort Borovets.

Unglücklich trotz Dudelsackrekord
Die beste Reisezeit für Biker ist übrigens von Juli bis September. Allerdings sollte man im Juli und August hoch hinaus, denn da kann es richtig heiß werden. Bezahlt wird in Bulgarien mit dem Lev (1 Euro enspricht 1,96 Lev). Aber das Land hat noch weit mehr Facetten als nur Gebirge und Party-Orgien am Goldstrand: So sind die Bulgaren das zweitgrößte Exportland für Rosenöl. In Sosopol am Schwarzen Meer kann man
außerdem das Grab eines echten Vampirs besichtigen. Für was ein Untoter ein Grab benötigt, ist nicht bekannt.

Kurios ist außerdem, dass nicht die Schotten, sondern die Bulgaren im Mai 2012 den Guinness Rekord für das größte Dudelsackorchester der Welt aufstellten. Und laut dem kalifornischen Earth Institut gehören sie zu den unglücklichsten Nationen der Erde. Da muss man doch was dagegen tun: Auf nach Bulgarien!