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Harald Philipp erklärt den Flow

Harald Philipp flow
Harald Philipp unterwegs in den Bergen Foto: Manfred Stromberg

Flow – was ist das eigentlich?

Bikesport besuchte den Vortrag „Flow“ von Mountainbike-Abenteurer Harald Philipp.

 

Jeder Mountainbiker hat dieses Gefühl wohl schon einmal erlebt, diesen Zustand, wenn man mit dem Rad den Berg hinab gleitet. Aber wie erklärt man das einem Nichtmountainbiker? Der Mountainbike-Abenteurer Harald Philipp versucht dieses Gefühl zu beschreiben, in seinen Vorträgen und in seinem Buch. Dabei erzählt er nicht nur aus der Sicht des erfahrenen Bikers, sondern nähert sich dem Thema auch wissenschaftlich. Bikesport besuchte einen seiner Vorträge. Hier erklärt er die Grundprinzipien des Flows und untermalt sie mit Videos aus seinem aktiven Bikerleben.

Harald Philipp - vom Schisser zum Profi

Harald Philipp ist auf zwei Rädern aufgewachsen. In den Wäldern von Siegen haben er und seine Kumpels lieber Trails gebaut, anstatt für die Schule zu lernen. Die Jungs haben es sogar in die Lokalzeitung geschafft: „Jugendliche haben eine waghalsige Rennpiste gebaut. (…) Da waren keine handwerklichen Deppen am Werk.“ Hier fuhr er seine ersten technischen Abfahrten. Obwohl er als „Schisser“ und „Heulsuse“, wie ihn seine Kumpels nannten, so seine Startschwierigkeiten mit den selbstgebauten Trails hatte. Das änderte sich aber mit den Jahren stark, wie man in Haralds eindrucksvollen Videos von Island, den Seealpen oder den Dolomiten deutlich sehen kann.

Für den Flow braucht es Motivation

Der Flow ist ein Bewusstseinszustand bei dem Motivation, Herausforderung und Können in einer Balance sind. „Motivation ist das Entscheidendste, um Flow erleben zu können“, erklärt Harald. In der Gruppe zu biken motiviert zusätzlich. Hier lässt sich das Glücksgefühl dann auch teilen. Das Phänomen des Flows überträgt sich übrigens auch auf Tiere. Traildog „Ori“ von Bikekumpel Martin kommt auf jede Tour der Beiden mit und ist völlig aus dem Häuschen, wenn die Räder raus geholt werden.

 

FLOW TRAILER from Summitride on Vimeo.

 

Raus aus der Komfortzone

Um den Flow zu erleben, muss man auch mal was riskieren und aus seiner Komfortzone heraus kommen. „Man benötigt ein wenig Neugier, um an den Rand der Komfortzonenblase zu gelangen. Genau dort liegt dann der Flow“, weiß Harald aus eigener Erfahrung. Man muss frech sein, sich was trauen, aber gleichzeitig demütig sein. Nur so kann man seine Komfortzone erweitern, ohne, dass die Angst überwiegt. Trotz viel Erfahrung stößt auch Harald an seine Grenzen. Er hat nämlich Höhenangst. Hier hilft nur „optimistische Blickführung“, wie er es nennt. Im Anschluss zeigt er einen Film über seine riskantesten Strecken, die er mit dem Mountainbike gefahren ist.

Um Flow zu fühlen, muss man fliehen, innerlich herunter fahren und entschleunigen. Es bedeutet den Alltag hinter sich zu lassen, das Kind in sich wach zu rütteln und einfach mal spielen zu gehen. Flow in seiner Reinform existiert nämlich beispielsweise bei Kindern, wenn sie spielen.

Flow erlebt man, wenn man etwas ganz und gar macht und Fokus und Konzentration nur darauf richtet. Aber nicht nur beim Biken, auch beim Meditieren kann man diesen Zustand erreichen. Das Ganze lässt sich durch Vorfreude noch steigern.

Was passiert im Körper während des Flows?

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass während des Flows der präfrontale Cortex im Gehirn ausgeschaltet ist. Dieser ist zuständig für rationales Denken. Der Biker hat in diesem Moment nur Zugang zu seiner Intuition. Endorphine werden freigesetzt. „Flow fühlt sich an wie Schweben“, sagt Harald. Man will mehr davon, kann aber eigentlich gar nicht erklären wovon genau, da das rationale Denken ja in dem Moment abgeschaltet ist.

Beim Flow fließt die Zeit so dahin, man wird eins mit dem Trail. Der Biker erlebt einen sportlichen, spirituellen Moment. Flow macht glücklich. Es ist ein Bewusstseinszustand, bei dem Motivation, Können und Herausforderung in Einklang sind.

Harald Philipp zeigt in seinem Vortrag „Flow“ inspirierende Bilder, die einen anspornen die eigene Komfortzone zu verlassen, die Natur zu erleben und den Flow selbst zu spüren.

Mehr zum Thema Flow gibt es auf Haralds Internetseite.

Für 2019 plant er übrigens eine neue Vortragsreihe, die den Namen „Pfadfinder“ trägt.

 

Fotos: Manfred Stromberg

Quelle: 

Karola Hafner

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