Menschen

„Irgendwann ist das Maß voll.“ Erhard Eckmann

Düstere Stimmung bei Erhard Eckmann (rechts) und Walter Hasper (links).

Zum Hintergrund: Seit 1997 findet in Kirchzarten der Black Forest ULTRA-Bike Marathon statt, mit Eckmann als maßgeblichem Organisator. Vor zwei Jahren begannen Bemühungen, den Bikesport in Kirchzarten zu stärken. Doch eine lokale Gruppe kämpfte mit harten Bandagen dagegen: Das Resultat war ein Bürgerentscheid. Eckmann und zwei andere Organisatoren (Walter Hasper und Carmen Iber) legen nun ihre Ämter nieder.

Erhard, was hattet ihr vor, das die Gemüter in Kirchzarten so erhitzt hat?
Vor zwei Jahren sind wir mit der Vision an die Gemeinde herangetreten, unsere bisherige Trainingsfläche zu verbessern, gerade für die Kinder und Jugendlichen in der Bikeschule des SV Kirchzarten. Auch hätten wir gerne eine bessere Wettkampfstrecke installiert, die den großen Namen Kirchzarten international wieder aufleben lässt.

Dagegen gab es einen Bürgerentscheid?
Ja. Wobei es da nicht um die Jugendarbeit an sich ging, sondern um das Gelände. Wir wollten in der Nähe des Sportstadions bleiben, wo in Kirchzarten der Sport verankert ist. Die Infrastruktur dort haben wir auch für den Marathon genutzt, und wir wollten auch nicht in den letzten Zipfel des Ortes abwandern.

Warum ist die Sache so hochgekocht?
In einem Wort: Generationenkonflikt. Viele ältere und pensionierte Bürger wollten lieber ihre Ruhe haben und hatten Angst, dass jede Woche eine Großveranstaltung dort stattfindet. Und dann gab es die IG Giersberg, die mit einem Bürgerbegehren den Gemeinderat regelrecht überrumpelt hat.

Wie das?
Es sind Leute durchs Dorf gezogen und haben den Bürgern vollkommen aufgeblasene Szenarien erzählt, einfach Unsinn. So ist es zu einem Bürgerbegehren und einem Bürgerentscheid gekommen. So viel Zeit und Energie, wie die aufgewendet haben, hat der Sportverein nicht dagegenstellen können. Am Ende haben die Bürger nicht verstanden, was wir wirklich wollten.

Und man ist unsachlich geworden?
Wenn die Argumente fehlen, wird mit allen Mitteln gekämpft. Da ich ein Sport- und Bikegeschäft habe, hat man mir auch vorgeworfen, ich würde mit Veranstaltungen Geschäfte machen wollen. Aber ich habe immer alles ehrenamtlich gemacht.

Hättest du dir mehr Rückhalt auf lokaler Ebene erwartet?
Alle Geschäftsleute, mit denen ich gesprochen habe, haben uns im rückwärtigen Bereich zugestimmt, dass unsere Idee durchführbar wäre. Aber nach außen gehen und uns den Rücken stärken, das hat keiner getan.

Als der Bürgerentscheid durch war, hast du enttäuscht von einem „Votum gegen den Mountainbike-Sport“ gesprochen.
Es gibt hier viele Leute, die hier den Mountainbikesport unterstützen, aber es sind auch viele, die richtig dagegen kämpfen. Und ich sage ganz ehrlich: Wenn Kirchzarten Mountainbiken nicht mehr verträgt, dann muss ich eben die Konsequenzen daraus ziehen.

Also die Niederlegung deines Ehrenamtes bei der Organisation des ULTRA-Bike.
Zum einen das und zum anderen auch das als Abteilungsleiter Ski und Rad beim SV Kirchzarten. Ich erhoffe mir dadurch auch eine Signalwirkung, dass man doch noch mal anders mit dem Thema umgehen muss. Der Marathon hat zuletzt eine Abschöpfung erreicht, die man nicht so einfach wegdenken kann, und die Region lebt von den Besuchern, auch außerhalb des Rennens. Aber irgendwann ist einfach das Maß voll und wir sagen: Dann lassen wir es halt einfach. Wenn kein Umdenken stattfindet, fahren wir den Marathon knallhart gegen die Wand.

Was kann man aus der Sache lernen?
Die Politik, der Tourismus und der Forst sind gefordert, nach vorne zu gehen. Es wird immer nur reagiert statt agiert, und dann hört man auf Leute, die lautstark mit Argumenten aus den 90ern gegen Mountainbiker wettern. Auch die Personen, die zum Teil bei runden Tischen mit dabei sind; das sind keine Biker, die haben kein Gefühl für den Sport. Sowas macht mir Angst.

Erhard Eckmann persönlich
Erhard Eckmann, 58, ist eng mit der Bike-Region Kirchzarten verbunden. Die erste Cross Country DM 1990, den Weltcup 1992 und die legendäre WM von 1995 hat er mitorganisiert. Seit 1997 war er außerdem beim überaus populären Black Forest ULTRA-Bike Marathon federführend. Als Abteilungsleiter Ski und Rad im SV Kirchzarten war er zuletzt stark in der Jugendarbeit tätig. Er betreibt ein Sportgeschäft in Kirchzarten.