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Hanna Klein: Ein Portrait der Aufsteigerin 2010

Hanna Klein <br>© Armin M. Küstenbrück
Hanna Klein
© Armin M. Küstenbrück

Saalhausen scheint ein Terrain für solche Momente der Freude zu sein. Schon 2008 hatte dort Silke Schmidt mit Platz drei ihr Potenzial angedeutet. Dieses Jahr tat das Hanna Klein gleich mit einem Sieg. Gewiss war schon zuvor in Offenburg (27.) und in Houffalize (20.) zutage getreten, dass man dieses Jahr eine andere Hanna Klein erleben würde, als in den Jahren zuvor. Doch in einer Siegerpose manifestiert sich eine solche Wandlung eben noch deutlicher.

Talent trifft auf Trainingsarbeit

Talent zu haben, ist nicht immer ein Segen. Man spricht im Zweifelsfall vom »schlampigen Genie« und rechnet hoch, was mit den gegebenen Anlagen alles möglich wäre, wenn ... Hanna Klein besitzt Talent. 2005 belegte sie das als Juniorin eindrucksvoll mit der WM-Silbermedaille in Livigno. Weltmeisterin war damals Tereza Hurikova. Die Tschechin hat nach drei U23-Jahren bereits Top-Ten-Resultate im Weltcup vorzuweisen, Hanna Klein blieb dagegen weit zurück. Und im Team Rothaus-Cube, für das sie seit Mitte 2006 fährt, raufte man sich ein wenig die Haare. In der vergangenen Saison aber hat die 21-Jährige doch ein neues Gesicht gezeigt. Das Frühjahr war beeindruckend: Siebte in Münsingen, 27. in Offenburg, 20. in Houffalize, Sieg in Saalhausen und Platz vier in Heubach, wo sie die Bundesliga-Führung verteidigte. Und in St. Märgen holte sie bei der DM die Bronzemedaille. Dafür hat Hanna Klein die Pünktchen hinter dem »wenn« mit konsequenter Trainingsarbeit beschrieben.

Woher kommt der Sinneswandel?

Im Herbst verbannte Bundestrainer Frank Brückner sie vorerst aus dem Nationalkader. Das Team verpflichtete die ehrgeizige und zielorientierte Barbara Benko aus Ungarn. Sie war eine kleine Motivationshilfe und liegt überdies mit Hanna Klein auf einer Wellenlänge. Dazu kommt, dass Klein ihr Abitur jetzt hinter sich hat, mit dem Studium der Sportwissenschaften ein neuer Lebensabschnitt angebrochen ist. »Es sieht jetzt ein wenig so aus, als ob ich nur auf Druck reagiert hätte. Es stimmt zwar, dass 2008 nicht optimal war, aber ich habe mir sowieso vorgenommen, nach dem Abitur 2009 richtig Rad zu fahren«, sagt Hanna Klein dazu, bekennt aber, dass die Maßnahmen auch eine Reaktion bei ihr ausgelöst haben. Sie habe überdies auch das Gefühl gehabt, dass sie Rothaus-Cube-Teamchef Patrik Faller »noch etwas schuldig« sei, weil er ihr in den vergangenen beiden Jahren die Stange gehalten hat.

Der Glaube an sich selbst

»Vom ersten Kilometer an habe ich im Trainingslager eine andere Hanna gesehen«, sagt Trainer Toni Uecker. In Saalhausen feierte sie ihren ersten Sieg in der Eliteklasse und war dann von sich doch selbst überrascht. »Wenn es gut läuft, kommt der Glaube an sich selbst. Ich gehe schon mit einer anderen Einstellung in die Rennen. Ich denke 2008 hätte ich es nicht riskiert, alleine vorne weg zu fahren. Ich hätte ja auch eingehen können. Es ist natürlich cool zu erleben, dass es klappen kann«, sagt sie. Das Selbstbewusstsein steigt mit solchen Erlebnissen und der Mut natürlich auch.

Bundesliga-Gesamtzweite 2009

In ihrem letzten U23-Jahr standen zwar Europa- und Weltmeisterschaft ganz oben auf der Liste der Prioritäten, aber da machten ihr gesundheitliche Probleme einen Strich durch die Rechnung. Besonders klagte sie immer wieder über Rückenschmerzen. Aber mit dem zweiten Gesamtrang in der Bundesliga-Serie gleich hinter der überragenden internationalen Aufsteigerin des Jahres, der Österreicherin Elisabeth Osl, fand die Saison einen verdient würdigen Abschluss für Hanna Klein.
Nach Prognosen für 2010 befragt, würde Hanna Klein sicher dasselbe antworten, was sie über gerade anstehende Rennen von sich gibt. »Keine Ahnung«, sagt sie dann immer und behält die vielleicht doch vorhandene Ahnung lieber für sich. Nach dem Rennen ist das anders. Da gibt die immer freundliche Hanna Klein gerne Auskunft. Und man ist geneigt zu hoffen, dass sie es noch viele Jahre tut, denn es gibt nicht allzu viele Nachwuchsbikerinnen dieser Güte.