Wettkampf



Das Focus XC Elite Team: Jung, wild und hoch motiviert

Teampräsentation in Oberjoch
Jung, wild, erfolgreich: Das Focus XC Team drängt nach vorn

bikesport: Das Focus XC Team ist ja eine recht junge Gruppe. Was macht es besonders mit einem so jungen Team im Weltcup zu starten?

Matthias Beck: Mit einem jungen Team kann man gemeinsam wachsen. Das macht beiden Seiten Spaß und wir werden gemeinsam erfolgreicher. Junge Athleten können wir besser leiten und führen. Das ist viel Verantwortung gegenüber den Athleten und deren Eltern. Dadurch entsteht ein beidseitiges Vertrauen das tiefer verwurzelt ist als wenn wir fertig ausgebildete Fahre einkaufen. Für den Weltcup im speziellen ist es erfrischend einfach mal versuchen, so schnell wie möglich weit nach vorne zu kommen. Wenn es gut läuft reicht es bis zum Ziel und dann gibt es gute Resultate. Wenn es mal nicht klappt, macht man wichtige Erfahrungen für die Zukunft die uns niemand mehr nehmen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Fehlt in so einem jungen Team nicht manchmal ein erfahrener Leitwolf?

Der Leitwolf ist das Team. Gemeinsam sind wir stark. Speziell beim Cross Country ist es möglich vor dem Wettkampftag im Training andere Athleten aus der Weltspitze zu beobachten und nach links und rechts zu sehen. Als Vorteil erachte ich persönlich das ich das Glück habe seit Jahren Erfahrungen von verschiedenen Sportarten zu besitzen. Ich habe früher Weltklasse-Athleten selbst trainiert im Ski alpin, das ist die Sportart wo ich herkomme. Danach durfte ich Spitzenathleten kennen lernen wie z.B. Judo, Langlauf, Biathlon, Eishockey, Gewichtheben, Golf, Leichtathletik. Unter ihnen viele Welt- und Olympiasieger.

Ist es einfacher, ein Team ohne einen erfahrenen und etablierten Fahrer zu managen?

Das kommt immer auf die Athleten an. Ich bin dankbar wenn Athleten uns fordern, dann weiß ich, dass ich mit den richtigen Personen zusammen bin. Wenn wir alles vorgeben müssen, wer wann und wo zu sein hat, dann läuft meist was verkehrt. Alle Weltklasse Athleten fordern einen bis ins letzte Detail und Fehler die man macht, werden einem direkt gesagt. Das ist sehr gut, nur dann sind wir ehrlich zueinander und gemeinsam daran interessiert, Spitzenerfolge zu erzielen.

Euer Leitspruch lautet „Together fun & success? Ist das möglich, oder fährt nicht jeder auf eigene Rechnung?

Ja es ist möglich. Wir versuchen die Energie des gesamten Teams zu nutzen und einzeln dann die maximale Leistung aus jeder Person zu kitzeln. Natürlich fährt jeder sein Rennen und im Wettkampf ist das direkte Teammitglied der erste Konkurrent. Man schaut aufeinander und wird nicht bis zum letzten Drücker in gewissen Passagen den Teamkollegen überholen. Spätestens vor dem Ziel ist das vorbei und jeder versucht zu gewinnen. Danach umarmt man sich und respektiert die Leistung aller. Wenn jemand schneller ist, egal ob innerhalb des Teams oder außerhalb, wir nehmen die Herausforderung an und versuchen, uns zu verbessern.

Gibt es bewusst Saisonhöhepunkte, und wenn ja welche?

Rein sportlich betrachten wir den Gesamtweltcup als die herausragende Leistung. Also ist bei uns der Saisonhöhepunkt Anfang April bis Anfang September. Ich bin überzeugt, dass wir sieben Weltcups, die nationalen Meisterschaften und die WM auf höchstem Niveau fahren. Alle anderen Rennen sind dem untergeordnet und wir versuchen uns möglichst intelligent auf eine komplette Saison vorzubereiten. Wenn es nach mir ginge, würde in allen Sportarten der Weltcupgewinner auch der Weltmeister sein. Da finde ich die Formel 1 das fairste System.

Dieses Jahr ist der Weltcup wirklich auf allen Kontinenten vertreten. Wie groß ist der Aufwand, an allen Rennen teilzunehmen?

Natürlich ist das eine Herausforderung, in aller erster Linie eine des Geldbeutels. Viele Teams können sich das einfach nicht leisten. Dazu kommen die „Jetlag-Reisen“, wo wir viele Stunden sitzen und nicht trainieren können. Für diese Reisen muss viel im Vorfeld organisiert und recherchiert werden. Was bietet die Region für Unterkünfte und wie kann ich das dann logistisch lösen? Derzeit ist die UCI auch in einer Umstrukturierung der Veranstaltungen. Hier erhoffen wir uns Verbesserung. Ich kenne es vom Ski alpin, hier gibt die FIS klar vor, was der Veranstalter für die Teams zu leisten hat. Davon sind wir noch sehr weit entfernt. Auch gibt es keine Reisegelder für die Topathleten. Soweit ich weiß gibt es das auf der Straße. Beim Skifahren gibt es das auf jeden Fall.

Gibt es langfristige Ziele? Wo siehst du das Team in zwei Jahren?

Wir haben mit dem Hauptsponsor Focus einen Vertrag bis 2016. Dann sind die Olympischen Spiele in Rio und da wollen wir sehr stark vertreten sein. Unsere Athleten kommen aus verschiedenen Ländern, das heißt wir können im Idealfall mit sechs Fahrern am Start sein. Ich kann mir gut vorstellen das Shlomi Haimy aus Israel fast im Alleingang die Qualifikation erreicht. Dazu muss Israel zu den besten 23 Ländern in der Wertung gehören. Zu deiner zweiten Frage. Wenn wir es mit den Sponsoren hinbekommen das Team in dieser oder ähnlicher Stärke zu bezahlen, sind wir bei den Top 5 dabei. Ich habe auch kein Problem wenn wir unter den drei besten Teams sind! Wichtig ist – „Gemeinsam Spaß und Erfolg“ und „das zum Wohle aller“. Das meine ich sehr Ernst. Wir wollen unseren Erfolg Teilen mit soviel Menschen wie es nur irgendwie möglich ist.

 

Weitere Infos zum Focus XC Team gibt es hier

Quelle: 

Fotos: Armin Küstenbrück für Team Focus