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MTB Fahrtechnik-Tipp: Wurzeln fahren lernen

In den Wurzeln den Überblick behalten

Wurzeln sind nicht eines jeden Mountainbikers Freunde. Dass es einen Weg durch das Wurzelwerk gibt, zeigen wir bei dieser multimedialen Fahrtechnikserie des bikesport Magazins.

Oh nein, schon wieder zu langsam! Wieso halte ich gerade da immer an, wo die anderen ganz einfach drüberfahren? – Ausrufe dieser Art hört man von vielen Bikern, die kurz vor einer Wurzelpassage zum wiederholten Mal verzweifelt stoppen. Im Grunde genommen ist diese Reaktion eine Schutzfunktion, die vor einem Sturz schützt. Was logisch klingt, kann aber bei mehrmaligem Absteigen zu Blockaden führen. Genau das muss jedoch nicht sein! Mit einer schrittweisen Heranführung kann man die Angst an diesen Passagen überwinden und in Zukunft mit einem Lächeln souverän hinübergleiten.

Leichte Wurzelpassage

Wurzelpassagen liegen im Auge des Betrachters. Bei diesem Trail-Tipp geht es um Wurzelfelder, die an sich schon sorglos gefahren werden können. Genau hier gibt es viel Spielraum, die eigene Fahrtechnik mit einem freien Kopf zu optimieren. Basis ist eine zentrale Position auf dem Bike. Beide Räder sind dabei nahezu gleichmäßig belastet und ein Wegrutschen ist auch bei Nässe so gut wie ausgeschlossen.


1. In einer lockeren Grundposition anfahren. Ellenbogen- und Kniegelenke sind nahezu gestreckt. Die Kurbeln sind waagerecht.


2. Kurz vor der Wurzelpassage Körperspannung aufbauen und in eine etwas tiefere Position gehen. Der Fahrer bleibt zentral im Bike.


3. Nach der Wurzelpassage geht es wieder zurück in die Grundposition. Der Blick scannt vorausschauend den weiteren Trailverlauf.

 

Grobe Wurzelpassage

Raus aus der Komfortzone. Nun geht es darum, das Erlernte auf einem etwas ungemütlicheren Untergrund anzuwenden. Durch viele Wiederholungen und mit dadurch zunehmender Routine lassen sich ruppigere Passagen bald immer souveräner fahren. Wer sich überfordert fühlt, geht noch einmal einen Schritt zurück zu den einfacheren Wurzelteppichen. Wichtig: Immer diese drei Fahrtechnikschritte beachten!


1. In der Grundposition an das Wurzelfeld heranrollen. Auf die Blickführung achten, der Blick geht circa drei Sekunden voraus.


2. Wie beim leichten Wurzelteppich Körperspannung aufbauen und den Körperschwerpunkt weiter absenken, um stabil zu bleiben.


3. Nachdem die Wurzeln überfahren sind, kehrt der Körper zur Auflockerung in die Grundposition zurück. Der Blick geht wieder nach vorne.

Steile und grobe Wurzelpassage

Es geht noch schneller und technischer! Für die entscheidende Kontrolle des Bikes beim aktiven Be- und Entlasten der Räder über den Wurzelteppichen ist der technisch saubere Bunny Hop das richtige Manöver. Dieser wird minimalistisch ausgeführt, um wie Aladin auf dem Teppich über die Passage zu schweben. Im richtigen Moment angewendet, spart diese fortgeschrittene Sprungtechnik auch Kraft.


1. Kurz vor den Wurzeln werden beide Räder dynamisch entlastet. So entsteht ein flacher, kraftsparenden Bunny Hop.


2. Kompakt in der Luft bleiben. Maximale Körperspannung halten. Den Blick auf die Landezone richten.


3. Die Landung durch Beugen der Knie- und Ellenbogen so weich wie möglich ausfahren. Der Blick schweift weiterhin nach vorne.

Vorbereitung ist alles


1. Ein Blick auf die Linienführung hilft. Schritt für Schritt kann das Tempo gesteigert werden. Wichtig: Höhere Geschwindigkeiten verändern die Ideallinie.


2. Zu Fuß lässt sich die eigene Linie am besten kennenlernen. Bei mehreren vorhandenen Linien empfiehlt es sich, diese mit Freunden oder Coach zu besprechen und dann zu testen.


3. Auch das Schieben des Bikes über die Wurzeln ist eine gute Vorbereitung auf den holprigen Untergrund. Zudem wird der Einsatz der Ellenbogen als zusätzliche Dämpfer deutlich.

 

Praxis-Tipps:

Die folgenden Tipps helfen, das Wurzelfeld entspannter und mit mehr Souveränität zu meistern.

 

  • Als Basis sollte die Zentralposition technisch sauber beherrscht werden. Siehe Ausgabe 1/2 2015.
  • Es ist ratsam, die Zentralposition, bevor es auf die Wurzeln geht, an niedrigen Treppen zu üben.
  • Auf dem Wurzelteppich bewusst die Körperspannung aktivieren. Dabei bleibt der Oberkörper, unter dem das Bike „fließt“, stabil.
  • So weit wie möglich nach vorne blicken. Idealerweise fixieren die Augen schon am Anfang der Wurzelpassage deren Ende.
  • Den Bunny Hop erst bei kleinen Wurzeln üben. Tipp: So ökonomisch und flach wie möglich über die Passage schweben.
  • Idealerweise quert der Reifen die Wurzel im 90 Grad Winkel. Geht natürlich nicht immer, hilft aber vor allem bei nassen Wurzeln.

 

Über Andy Rieger


Neben seiner Tätigkeit als Redakteur und Fahrtechnikexperte beim bikesport Magazin ist Andy Rieger Mitglied im Bundeslehrteam der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB). Anzutreffen ist er auch bei seiner Fahrtechnikschule HappyTrails.de im Chiemgau.

 

Quelle: 

Text: Andy Rieger | Fotos: Gideon Heede