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MTB Fahrtechnik-Tipp: Mountainbike Sprungtechniken

Den Luftstand nutzen

Airtime: Ein beflügelndes Gefühl – das aber auch mit einem schmerzhaften Sturz enden kann. Für eine sanfte Landung gibt die multimediale Fahrtechnikserie der bikesport einige wichtige Tipps.

Wer wünscht es sich nicht, in der Luft sicher und vor allem stylisch einen Sprung mit dem Mountainbike zu bewältigen? Höher! Schneller! Weiter! Gerade männliche Biker lassen sich vom Adrenalin verführen. Dass sich aber auch Frauen ästhetisch in der Luft bewegen können, zeigt Kathi Kuyers in diesem Gravity Fahrtechnik-Spezial. Sie ist Mitglied im Team der Trek Gravity Girls und seit Jahren bei Enduro-Rennen und Dirtjump-Veranstaltungen unterwegs. Die gebürtige Oberbayerin liebt Tricks mit viel Airtime und Style. In den Anfängen coachte sie der deutsche Freeride-Profi und Spezl Andi Wittmann bei den Sprüngen an der lokalen Dirtjump-Anlage BA-Trails in Bad Aibling. Andi gibt in dieser Ausgabe wichtige Praxistipps, wie man mit mehr Sicherheit und Style in die Landezone kommt. Neben dem Basissprung Straight Air zeigt Kathi mit dem Table Top und dem Toboggan (T-Bog) zwei Tricks, die sowohl den Mann als auch die Frau im Park besser aussehen lassen.

Straight Air – Luft unter beide Räder bekommen

Der Basissprung Straight Air ist notwendig, um Sprungtricks in der Luft erlernen zu können. Ziel ist es, sein Bike in der Luft unter Kontrolle zu halten und ein Gefühl für Geschwindigkeit, Höhe und Weite zu entwickeln. Ist dies gegeben, können Tricks wie der Table Top oder der Toboggan angegangen werden. Die folgende Bilderserie zeigt den sicheren Flug durch die Luft und die souveräne Landung Schritt für Schritt. Hinweis: Der Bunny Hop ist Grundvoraussetzung für den Straight Air und sollte mit Flat-Pedals funktionieren.

1. Mit leicht angewinkelten Ellenbogen und Knien in der Grundposition anrollen. Der Blick schweift zur Absprungkante.

2. Kurz vor dem Absprung den Schwerpunkt absenken, Knie und Ellenbogen beugen. Körperspannung aufbauen.

3. An der Kante richtet sich der Fahrer mit einem leichten Bunny Hop auf. Wiederholtes Üben macht den Absprung bald dynamischer.

4. Im Flug Arme und Beine locker lassen, möglichst durchstrecken. Mit Blick zur Landezone das Vorderrad langsam nach unten bringen.

5. Bei der Landung wird das Aufsetzen des Bikes mit gebeugten Knie und Ellenbogen so weich wie möglich abgefedert.

6. Nach der Landung richtet sich der Blick zur Vorbereitung auf das nächste Hindernis weit nach vorne.

 

Table Top – Das Bike in der Luft flachlegen

Der Table Top ist ein lässiger Trick, um bei Sprüngen die Blicke auf sich zu ziehen. Für Andi Wittmann, der seine Skills an den BA-Trails nahe Bad Aibling erlent hat, war der Table Top einer seiner Lieblingstricks. Leider kann er diesen Trick nach seinem schweren Sturz im August 2015 nicht mehr springen. In dieser Fahrtechnik-Bilderserie springt Kathi den Basis-Table-Top mit waagerecht nach rechts gestellten Räder. Hinweis: Diesen Trick kann man auf dem Trampolin mit einem speziellen Trampbike sehr gut erlernen.

1. Locker, aber mit Körperspannung in der Grundposition anfahren und wie beim Straight Air an der Kante abspringen.

2. Kurz nach dem Absprung die rechte Hand am Griff nach vorne drehen, so als würde man verkehrt herum Gas geben

3. Durch den Drehimpuls wird das rechte Lenkerende unter die linke Achse geschoben. Das rechte Knie stabilisiert das Bike am Oberrohr.

4. Das Bike wird dabei automatisch eingeklemmt. Für eine maximale Schräglage die linke Hand leicht öffnen.

5. Der linke Fuß kann aufgrund der extremen Schrägstellung des Bikes das Pedal verlieren,  was aber nicht weiter schlimm ist.

6. Beim Geradestellen des Bikes rutscht der Fuß automatisch wieder auf das Pedal zurück. Nun mit Blick nach vorne weich landen.

 

Toboggan – Stylisch und schnell zu lernen

Der Toboggan, in der Szene auch „T-bog“ genannt, ist ein schnell zu lernender Trick für all jene, die im Flug die Hand vom Lenker nehmen können. Begonnen wird auf dem Trampolin mit einem Trampbike. Danach geht es weiter mit Landungen im Foampit oder auf Holzhackschnitzeln. Ein langsames Herantasten steigert das Selbstvertrauen und minimiert Stürze. Der hier gezeigte Bewegungsablauf ist für Biker, die mit dem rechten Fuß vorne stehen. Hinweis: Die Kabel müssen lang genug sein, um den Lenker 90 Grad einzuschlagen.

1. Wie bei allen Sprüngen entspannt in der Grundposition mit lockeren Ellenbogen und Kniegelenken anrollen.

2. Direkt nach dem Absprung das Bike leicht nach vorne schieben. Schwerpunkt wandert somit leicht nach hinten.

3. Kurz vor dem höchsten Punkt umfasst die linken Hand den Sattel. Gleichzeitig wird der Lenker eingeschlagen und zum Sattel geführt.

4. T-bog Routiniers können für mehr Stylepunkte die Hüfte so weit wie möglich nach hinten über die Hinterradnabe schieben.

5. Vor der Landung den Trick auflösen, indem man gleichzeitig mit der linken Hand den Griff umfasst und den Lenker gerade stellt.

6. Die Landung so weich wie möglich durch Beugen der Ellenbogen und Knie abfedern. Blick schweift weit nach vorne.

 

Kathi Kuypers

Die gebürtige Oberbayerin ist in den Bergen auf Ski und Mountainbike groß geworden. Seit vielen Jahren ist Kathi Mitglied im Team der Trek Gravity Girls und nimmt an Enduro-Rennen und Dirtjump-Events teil. Nebenbei ist sie auch als Fahrtechnik-Coach für ihre Sponsoren sowie bei der Fahrtechnikschule HappyTrails.de im Chiemgau tätig.

 

 

 

 

PraxisTipps von Andi Wittman

  • Die Basistechnik für das Springen über Tables ist der Bunny Hop mit Flat-Pedals. Siehe bikesport Ausgabe 7_8/2015.
  • Es ist ratsam, den Sprung erst einmal zum Kennenlernen ohne Bike und zu Fuß innerlich nachzuvollziehen. So bekommt man einen besseren Blick für Höhe, Weite und Länge des Sprungs.
  • Um ein gutes Gefühl zu entwickeln, ist es sinnvoll, anfangs erst über kleine und flache Tables springen.
  • Erst dann langsames Herantasten an größere Tables. Hier kann man auch mal drüber rollen oder zu kurz springen.
  • Wenn bei Tables die Landung souverän gelingt, können auch kleine Doubles angegangen werden.
  • Sprungtricks zunächst möglichst auf dem Trampolin mit einem Trampbike, einem modifizierten Bike ohne Räder, erarbeiten. Danach den neuen Trick in einem Foampit oder auf Holzhackschnitzeln testen.
  • Es ist wichtig, permanent nach vorne zu blicken und die Landung anzuvisieren. Der Trick muss immer frühzeitig ausgelöst werden.
  • Die Landung sollte durch das Beugen der Ellenbogen und Knie immer so weich wie möglich abgefedert werden.
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Andi Wittmann

Als Mountainbike Freeride-Profi lebte Andi bis zu seinem schweren Sturz im August 2015 seinen Traum. Dieser folgenschwere Unfall zwingt den sympathischen Oberbayern, neue Projekte anzugehen. Aktuell ist er viel auf dem Rennrad, mit dem E-MTB, aber auch mit seinem Rallye-Auto unterwegs. Mehr über Andi und seine neuen Ziele gibt es auf www.andiwittmann.com.

 

 

 

 

 

Quelle: 

Text: Kathi Kuypers, Andy Rieger | Fotos: Christian Tharovsky, Markus Greber