Training

Die leichte Art des Droppens: Step by Step

Den Drop in nur drei Schritten erlernen.
Den Drop in nur drei Schritten erlernen.

Step by Step - Stufenweise zum Erfolg

Mountainbiken hat viel mit Spielen und Nutzen bekannter Bewegungsabläufe zu tun. Wie das geht, zeigen wir euch in der aktuellen multimedialen Fahrtechnikserie des bikesport Magazins.

Immer wieder kommt man als Mountainbiker in die Situation, sich entscheiden zu müssen: Kann man die Stufe bergab noch abrollen oder muss man sie schon droppen. Stürzen ist keine Option. Naja, dann schiebt man einfach wieder, sagt die Vernunft! Genau das muss aber nicht sein. Denn wie beim Gehen, kann auch das Abfahren einer Stufe mit dem Bike erlernt werden. Man startet mit einem kleinen Absatz. Schritt für Schritt wird dieser immer höher. Und irgendwann hat die Stufe eine Höhe erreicht, ab der sie schließlich zu Fuß gesprungen oder mit dem Bike gedroppt werden muss. Aber die Basis ist immer gleich, zu Fuß oder mit dem Bike.

Step 1: Stufe abrollen – Gefühl für die Höhe bekommen

Zu Fuß wissen wir, welche Höhe man noch gehen kann oder ab wann schon gesprungen werden muss. Ist man schnell genug, dann springt man auch kleine Stufen. Stimmt’s? Genau so ist es auch mit dem Mountainbike. Man fährt langsam an eine Stufe heran. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde entscheidet man, ob die Stufe fahrbar ist oder nicht. Durch viele Stufenfahrten wird man automatisch sicherer aber auch schneller. Jetzt wird es dann langsam Zeit die Stufe zu droppen. Aber fangen wir klein an: mit dem Abrollen einer Stufe.


1. Anrollen in der Grundposition.


2. Kurz vor der Stufe beugt man die Ellbogen und Knie und geht somit in die Aktivposition.


3. Mit abgesenktem Körperschwerpunkt führt man das Vorderrad über die Stufe hinunter.


4. Nachdem die Räder leise aufgesetzt sind, geht man zurück in die Grundposition.

 

Step 2: Abrollbare Stufe droppen – Sicher von Klein auf Groß

Nach der kleinen Stufe, kommt jetzt ein etwas größerer Absatz. Vorteil: Diesen kann man im Notfall noch abrollen, ohne dass die Kettenblätter aufsetzen. Und wiedermal ist alles wie beim Gehen. Wir lassen unseren Körperschwerpunkt zentral. Bewegen uns nicht nach hinten oder nach vorne. Der Absprung kommt einem Strecksprung gleich. Den kennen wir noch aus dem Schulsport. Die Landung sollte dann so weich wie möglich sein. Zu Fuß sind hauptsächlich die Knie unser Dämpfer. Beim Biken kommen dann noch die Ellbogen hinzu. Also beugen wir diese. Jetzt wird es Zeit für den ersten Drop. Wichtig: Tastet euch langsam ran.


1. Anrollen in der Grundposition und Wechsel in die Aktivposition durch Beugen der Ellbogen und Knie.


2.1. Jetzt wird die Flugphase eingeleitet. Sobald das Vorderrad an der Kante ist, werden Arme und
Beine impulsiv gestreckt und der Körper richtet sich Zentral auf.


2.2. Durch die Streckung wird das Vorderrad stabilisiert und kippt nicht nach unten weg.


2.3. Mit dem richtigen Timing ist das Vorder- und Hinterrad auf gleicher Höhe.


2.4. Wenn vom Timing her alles passt, setzten beide Räder gleichzeitig auf dem Boden auf.


3. Durch das Beugen der Ellbogen und Knie wird die Landung sanft abfedern. Nach der Landung
geht man wieder zurück in die Grundposition. Dies spart Kraft und man kann sich auf das nächste Hinterniss
vorbereiten.

 

Step 3: Hohe Stufe droppen – Airtime

Jetzt wird es ernst: Droppen einer nicht mehr abrollbaren Stufe. Bei den vorherigen Höhen waren noch leicht Fehler erlaubt. Für diesem Schritt, sollte die Drop-Technik von Step 2 sicher beherrscht werden. Zur Erleichterung sei gesagt: Der Ablauf ist der gleiche. Nur: Man muss mit mehr Geschwindigkeit, Fahrdynamik und Körperspannung an diesen Drop herangehen. Besondere Aufmerksamkeit gehört der Landung. Hierbei ist es wichtig, mit beiden Rädern gleichzeitig aufzusetzen, um einen Überschlag zu vermeiden.


1.1. Ein wenig schneller anrollen. Flüssig von der Grundposition in die Aktivposition wechseln, ...


1.2. ... so dass man vor der Stufe am tiefsten Punkt mit dem Oberkörper angekommen ist.


2.1. Jetzt kommt die Auftaktbewegung für die Flugphase. Unmittelbar vor der Kante den Oberkörper
kraftvoll und flüssig zentral aufrichten.


2.2. Das Vorderrad verlässt den Untergrund und bleibt stabil in der Luft.


2.3. Durch das richtige Timing hat das Bike einen gleichmäßigen Luftstand.


2.4. Jetzt heißt es zentral im Bike zu bleiben und die Airtime genießen.


3.1. Die Landung wird anvisiert. Der Blick schweift permanent 1-3 Sekunden voraus.


3.2. Durch starkes Beugen der Ellbogen und Knie, die Landung sanft abfedern. Danach gehts es wieder
zurück in die Grundposition.

 

Geländedrop

Wenn man für den Drop ein sicheres Gefühl entwickelt hat, kann beim Absprung auch gern mal ein Bunny-Hop mit eingebaut werden.
Achtung: Airtime-Suchtgefahr!

 

Praxis-Tipps

Damit man beim Droppen keinen Abgang über den Lenker macht, sollten folgende Punkte beachtet werden.

  • Als Vorübung zum Drop muss man das Vorderrad kontrolliert entlasten können (siehe Ausgabe 7_8/2015).
  • Von Klein nach Groß. Beginnt das Dropen an einer kleinen Stufe, die noch abrollbar ist. Diese verzeiht Fehler.
  • Durch viele Wiederholungen bekommt man ein Gefühl für die Höhe von Geländekanten.
  • Für eine butterweiche Landung nutzt Ellbogen und Knie als zusätzliche
  • Federelemente. Beugt diese beim Aufsetzten der Räder. Stellt euch vor, ihr würdet zu Fuß eine Stufe hinunterspringen.
  • Die Blickführung sollte permanent 1-3 Sekunden voraus schweifen. Somit bleibt man kontrolliert in der Spur.

 

Über Andy Rieger

Neben seiner Tätigkeit als Redakteur und Fahrtechnikexperte beim bikesport Magazin, ist  Andy Rieger Mitglied im Bundeslehrteam der Deutschen Initiative Mountainbike (D.I.M.B.). Anzutreffen ist er auch bei seiner Fahrtechnikschule HappyTrails.de.

Quelle: 

Text: Andy Rieger | Fotos: Gideon Heede