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MTB FahrtechnikTipp: Spielerisch schneller werden

Mountainbike Fahrtechnik für CrossCountry Piloten

Das möchte ein jeder: Mit wenig Aufwand schneller durch den Rundkurs, über die schwierige Passage oder bei langen Etappen mit Reserven für den Schlussprint ins Ziel kommen. Unsere multimediale Fahrtechnikserie gibt hier effektive Tipps.

Kurz vor der letzten technischen Stelle bergab lässt die Konzentration schlagartig nach. Man bekommt keinen Druck mehr auf das Pedal und die zuvor mehrmals getestete Fahrlinie verschwimmt vor einem. Der Fokus ist auf die Körpermitte gelenkt. Arme und Beine werden steif. Ein Kollaps ist nicht mehr weit weg. Damit es in dieser Situation zu keinem Blackout und schmerzhaften Bodenkontakt kommt, gibt es im Vorfeld neben der Ernährung auch fahrtechnisch einige Punkte zu beachten. Mit den folgenden Tipps spart man sich genügend Kraft für die rumpligen Passagen auf und die Schnappatmung gehört der Vergangenheit an.

Entspannt auf dem Trail

Entspannung hat in diesem Zusammenhang nichts mit zurücklehnen, Augen zu und genießen zu tun. Diese Position kann man gerne zur Regeneration auf dem Sofa nach einem Tag auf dem Mountainbike einnehmen. Vielmehr geht es hierbei um eine ökonomische Fahrweise, damit auch nach einem langen oder intensiven Tag auf dem Bike noch Reserven für die letzten Trail-Meter hat.


1. Sobald sich das Bike bergab neigt, verlässt man die sitzende Position auf dem Rad. In der Grundposition werden die Kurbeln waagerecht genommen und das Körpergewicht nahezu 100 Prozent auf die Pedale verteilt. Der Blick schweift immer zirka drei Sekunden voraus.

 


2. Bei einer nicht technischen Trailfahrt oder auf einfachen Feldwegen bergab kann man die Fersen absenken, um die Beinmuskulatur zu entspannen. Für viele ist es auch angenehm die Waden ab und an zu dehnen. Die Knie sind dabei fast vollständig gestreckt.

 


3. Es ist nahezu kein Druck auf dem Lenker. Somit können die Hände entspannt auf den fest umschlossenen Griffen ruhen. Die Ellenbogen sind nahezu gestreckt, somit also minimal gebeugt. Weiterhin locker mit Blick nach vorne den Trail entlang rollen.

 

Wenn es zur Sache geht

Die Passagen bei Cross-Country Rennen werden von Saison zu Saison technischer. Dabei werden aber die Geometrien der Mountainbikes jährlich immer traillastiger. Somit müssen sich die Rennpiloten den Gegebenheiten durch eine optimierte Fahrtechnik anpassen. Denn Mountainbiken findet nicht auf Radwegen, sondern auf Trails statt. Wir zeigen euch den Weg durch den Rockgarden oder grobes Wurzelgeflecht.


1. In der lockeren Grundposition rollt man unverkrampft über den Trail. Die Zeigefinger ruhen bremsbereit auf den Bremshebeln. Kleine Schläge auf das Bike werden vom Fahrwerk und den minimal gebeugten Knie- sowie Ellenbogengelenken sanft abgefedert. Kinn hoch. Der Fokus ist weit nach vorne gerichtet.

 


2. Kurz vor der technischen Passage, mit groben Wurzeln oder Steinen, beugt man die Ellenbogen und spannt die Rumpfmuskulatur an. Somit wird mit den Armen das Hindernis wie eine Art Stoßdämpfer abgefedert und man bleibt stabil auf dem Bike. Das Körpergewicht ist weiterhin zirka 100 Prozent auf die Pedale verteilt.

 


3. Durch den hohen Sattel kann man mit der Hüfte nicht tief gehen. Somit weiterhin die Rumpfmuskulatur leicht anspannen, um bei schnell wechselndem Untergrund nicht über den Lenker zu segeln. Eine nahezu aufrechte Position entspannt die Muskeln und spart Energie.

 

Zick-Zack Bergauf

Nicht nur bergab gibt es anspruchsvolle Stücke, die man wegen Erschöpfung oder fehlender Technik sicherheitshalber schieben sollte. Auch beim Kampf um die Höhenmeter kommt man ab und an in Bereiche, welche nicht nur mit einem starken Tritt überwunden werden können. Bei der Spitzkehre bergauf etwa ist Balance, Fahrtechnik und der positive Blick nach vorne maßgebend. Tipp: Mit weiten Kehren starten.


1. Sitzend auf die Spitzkehre im äußeren Bereich zufahren. Es ist keine Last auf dem Lenker. Somit kann das Vorderrad, dem Kurvenradius entsprechend, mit wenig Kraftaufwand leicht eingeschlagen werden. Der Blick schweift gleitend durch Drehen des Kopfes weit, über den Scheitelpunkt der Kurve, nach vorne oben.

 


2. Weiterhin sitzen bleiben und gleichmäßig treten. Achtung: Falls das Vorderrad steigt, durch beugen der Ellenbogen den Oberkörper nach unten bringen. Dies lässt das Vorderrad wieder absinken. Mit Fokus auf Balance und dem permanenten Blick entlang des Streckenverlaufs weiter treten.

 


3. In der Folge sitzend und mit weitem Blick nach vorne in Richtung Trailverlauf aus der Kehre heraus fahren. Gleichmäßig weitertreten und den Oberkörper je nach Untergrund und Steilheit wieder aufrichten. Das entspannt die Rumpfmuskulatur und es lässt sich mit freiem Kopf auf die nächste Passage vorbereiten.


Sitzposition:
Falls das Vorderrad in der Bergauffahrt steigt, einfach einen Tick am Sattel nach vorne rutschen. Das Vorderrad bekommt somit wieder den nötigen Grip.

 


Oberkörper:
Durch ein stärkeres Beugen der Ellenbogen wird mehr Druck auf das Vorderrad aufgebaut. Wichtig dabei ist, die Ellen-bogen in Verlängerung des Lenkers nach außen anwinkeln, damit der Brustkorb genügend Freiraum zum Atmen hat.


Auch mit einem Cross-Country-Fully kann ordentlich Luft unter die Räder kommen. Dabei übersegelt man technische Passagen spielerisch.

Praxis-Tipps:

Diese Tipps werden euch mit weniger Kraftaufwand, der nötigen Fahrtechnik und somit mehr Fahrspaß durch die vermeidlich schwierigen Passagen bringen.

•    Neue Techniken idealerweise immer mit Flatpedalen erlernen. Somit müsst ihr euch nicht auf das Ausklicken konzentrieren.
•    So wenig wie möglich Druck auf den Lenker aufbauen. Dies entspannt die Arm- und Schultermuskulatur.
•    Knie- und Ellenbogengelenke auf einfachen Trails fast gestreckt halten.
•    Im technischen Bereich permanent die Rumpfmuskulatur angespannt lassen. Es vermeidet das Sturzrisiko über den Lenker und macht die Fahrt stabiler.
•    Sich so oft wie möglich auf dem Bike in die Grundposition aufrichten. Spart Energie.
•    Kinn anheben: Schaue immer rund drei Sekunden nach vorne um die Strecke permanent zu scannen.

Über Andy Rieger


Neben seiner Tätigkeit als Redakteur und Fahrtechnikexperte beim bikesport Magazin ist Andy Rieger Mitglied im Bundeslehrteam der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB). Anzutreffen ist er auch bei seiner Fahrtechnikschule HappyTrails.de im Chiemgau.

 

Quelle: 

Text: Andy Rieger | Fotos: Gideon Heede